Die Geschichte einer Allergie

Ich möchte dir eine Geschichte erzählen, die sich wie folgt zugetragen hat: Ich habe vor ein paar Jahren bei einer Firma einen Job in einem Projekt begonnen. Ich war ziemlich gefordert, denn es war eine verantwortungsvolle Aufgabe und es gab sehr viel zu tun.

Meine Arbeitskollegin musste mich innerhalb von 15 Arbeitstagen einarbeiten. Sie unterzog sich danach einer Operation und der OP Termin war bereits fixiert. Meine Aufgabe war, alles so rasch wie möglich zu lernen, aufzuschreiben und zu verinnerlichen, damit ich während ihrer mehrmonatigen Abwesenheit die ganzen Abläufe selbstständig erledigen konnte.

Ich muss gestehen, dass mich diese Situation an meine emotionalen Grenzen brachte und ich in diesen 3 Einarbeitungswochen etwas überfordert war. Meine Arbeitskollegin hatte grosse Geduld, aber sie sah auch immer den Berg an Prozessen, den sie mir noch zeigen wollte.

Um diese Situation gemeinsam zu meistern, etablierten wir ein Belohnungsritual. Bei der morgendlichen Kaffeepause gönnten wir uns immer etwas Süsses. Zucker beruhigt bekanntlich die Nerven – zumindest für eine kurze Zeit.

In der 4. Arbeitswoche bemerkte ich bereits, dass sich eine Allergie anbahnte. Ich entwickelte langsam, aber stetig einen Ausschlag um meinen Mund. Beginnend von den Mundwinkeln innerhalb von Wochen ausbreitend über die Marionettenfalten bis hinter zum Kinn.  Der Ausschlag sah richtig schön rot aus, leuchtete und war von weitem zu sehen.

Jeder, der schon solche Hautausschläge kennt, weiss, dass überschminken nicht möglich ist. Es war ein offener Ausschlag. Das Positive an dieser Situation war, dass ich zumindest keine grossen Schmerzen verspürte, aber natürlich war mein Ego voll getroffen. Ich versuchte alle möglichen Hausmittel aber der Ausschlag aktivierte sich dadurch nur noch mehr.

Kurz darauf hatte ich einen Behandlungstermin bei meiner bioenergetischen Coachin, Therapeutin und natürlich hat sie mich auf meine Hautreaktion angesprochen. Ich weiss, dass ich als Mensch, als Dreieinheit, wenn etwas nicht im Gleichgewicht ist, oft mit Ausschlägen reagiere. Ich kam schon als Baby mit Ausschlägen auf die Welt und entwickelte rasch eine heftige Neurodermitis am ganzen Körper.

Gemäss Schulmedizin ist bei einer Neurodermitis die Haut entzündet und verliert ihre natürliche Schutzfunktion, sodass sie nur unzureichend gegen äussere Einflüsse gewappnet ist. Die Entzündungen führen dazu, dass Keime und reizende Stoffe in die Haut eindringen können, was teilweise zu schweren Infektionen führen kann.

Bei mir war es so, dass mir meine Eltern bereits als kleines Baby Handschuhe anziehen mussten, damit ich mich nicht am ganzen Körper blutig kratzte. Zusätzlich hatte ich bei der Geburt die Nabelschnur zweimal um meinen Hals gewickelt. Ich wollte wirklich nicht in diese Welt geboren werden, ich hatte solche Angst. Dies nebenbei, um das Gesamtbild zu vervollständigen.

Während dem ich die Situation also meiner Therapeutin schilderte, erwähnte sie, dass bei ihr immer wieder das Wort Erdnuss auftauchte. Ich konnte zu diesem Zeitpunkt nicht viel mit dieser Information anfangen, denn ich wusste bereits, dass ich Erdnüsse nicht wirklich essen mag.

Bei der anschliessenden energetischen Behandlung erhielt ich jedoch Bilder. Ich sah eine Plantage, eine weisse Frau, die zusammen mit Ihrem Mann diese Plantage führte und ich sah einen kleinen schwarzen Sklavenjunge. Er war ca. 7 oder 8 Jahre alt. Ich hatte das Gefühl, dass sich diese Plantage in Amerika befand.

Nach der Behandlung erzählte ich, was ich wahrgenommen hatte. Meine Coachin entliess mich mit den Worten: «Das ist gut, nun überlegst du dir, wer dieser Junge ist.»

Auf dem Weg zurück zur Arbeit sass ich im Tram und stellte mir die Situation nochmals vor mit der weissen Frau, der Plantage und diesem Jungen. Ich stellte in Gedanken die Frage, wer dieser Junge war. Der Bub erschien sofort vor meinem geistigen Auge. Ich weiss noch genau, wie er aussah. Er hatte sehr dunkle Haut, einen runden Kopf, war schmächtig gebaut und eher klein für sein Alter. Ich denke, dies hatte mit der Ernährung zu tun.

Ich habe also diesen Bub gefragt: «Wer bist du?» Der Junge hat seinen linken Arm ausgestreckt und mit seinem Zeigefinger auf mich gedeutet. Wirklich verstanden habe ich es zu diesem Zeitpunkt nicht und als ich zurück im Geschäft war, gefangen im Stress des Büroalltags, habe ich all dies auf die Seite gelegt. In den nächsten Tagen und Wochen jedoch befasste ich mich in Gedanken immer wieder mit diesen Bildern und so fügten sich allmählich die Puzzlesteine zu einem Gesamtbild zusammen.

Dieser Junge wurde in Gefangenschaft auf der Plantage geboren. Er lebte in der Gemeinschaft der schwarzen Sklaven und mit seiner Mutter in einer sehr einfachen Bretterhütte. Er lernte von den anderen Sklaven, die ihr Wissen mit ihm teilten. So konnte er rudimentäre Wörter schreiben, die sie ihm in den staubtrockenen Boden vor der Hütte mit einem Holzzweig schrieben. Er wusste nicht, was Freiheit bedeutet, denn er kannte nur diese Welt, diesen Mikrokosmos der Plantage.

Die Frau des Besitzers war ein guter Mensch auf ihre Art und zu dieser Zeit. Das grösste Schicksal in ihrem Leben jedoch war, sie konnte keine Kinder bekommen. Diesen kleinen Jungen hatte sie von Anfang an in ihr Herz geschlossen und deshalb ihren Ehemann gebeten, man möge doch diesen Bub im Hausdienst einteilen. So entstand mit der Zeit eine Beziehung zwischen der Frau des Plantagenbesitzers und dem Jungen. Für den Jungen war sie die einzige nicht-schwarze Frau, mit der er näher Kontakt hatte. Sie faszinierte ihn mit ihren blonden leicht gewellten Haaren und dem freundlichen Gesicht. Sie war eher kleiner Statur – wie er selbst. Auch ihre Art, wie sie zu sprechen pflegte, und wie sie sich den anderen Menschen gegenüber verhielt, beeindruckte ihn.

Ihre Beziehung war geheim, denn es war undenkbar, dass eine weisse Frau und ein schwarzer Bub eine freundschaftliche Beziehung pflegten, zumal der Plantagenbesitzer ein grober und eher herzloser Mensch war.

Zu dieser Zeit hatten die Frauen grundsätzlich eine andere Stellung in der Familie. Die Hauptaufgabe der Frau des Plantagenbesitzers bestand darin, das grosse Herrenhaus mit den Haussklaven in Schuss zu halten. Wenn sie Gäste empfingen, was eher selten der Fall war, dass alles reibungslos ablief, dass die Gäste gut verköstigt wurden, dass ihr Mann das Geschäftliche nach dem Essen bei Zigarre und Cognac in Ruhe besprechen konnte und dass die Gäste zufrieden wieder abreisten. Das war ihre kleine Welt. Offiziell war sie ein freier Mensch und doch gefangen in der Welt dieser Plantage

Durch die Gespräche mit dem Jungen erfuhr die Plantagenbesitzerin, dass seine Mutter schon seit längerem krank war. Sie musste weiter auf den Feldern ihre Arbeit verrichten, war jedoch am Abend so geschwächt, dass sie sich kaum um ihren Sohn kümmern konnte. Sie war eine einfache Frau, heute würde man sagen alleinerziehend und hätte sie nicht die Hilfe der Sklavengemeinschaft gehabt, die sich auch um ihren Jungen kümmerte, die Situation wäre schon lange nicht mehr tragbar gewesen. Ihre grosse Stütze war der Glaube an Gott, es war ein Urvertrauen in ihr, dass ihr half jeden Morgen aufzustehen und die Arbeit auf den Feldern zu verrichten, um ihrem Jungen das Überleben zu sichern.

Die Herrin wollte dem Jungen und der Mutter helfen. Geld besass sie keines, denn das finanzielle wurde vom Ehemann verwaltet. Also gab sie eines Tages dem Jungen eine Kette, die sie schon lange besass, und in den letzten Jahren nie mehr trug. Es war eine Perlenkette, die sie aus dem Besitz ihrer eigenen Familie in die Ehe einbrachte.

Sie übergab das Schmuckstück dem Jungen mit den Worten: «Ich übergebe dir diese Perlenkette damit du sie zu Geld veräussern und so die Heilmittel für deine kranke Mutter besorgen kannst. Wenn du in deiner Hütte angelangt bist, verstecke die Perlenkette gut und wende dich an den Sklaven James, er fährt regelmässig in die Stadt, um Lebensmittel zu kaufen. Er wird dir helfen und die Kette für dich verkaufen, du kannst ihm vertrauen. Aber eines musst du mir versprechen. Du darfst keiner Menschenseele von unserem Gespräch erzählen und auch nicht, wie du in den Besitz dieser Perlenkette kamst. Versprichst du mir das?»

Der Junge hob die Hand und schwor: «Ich werde keiner Menschenseele davon erzählen.»

So kam es, dass sich der Junge abends als es bereits eindunkelte auf den Weg vom Herrenhaus zu seiner Bretterhütte begab. Im Hosensack befand sich die Perlenkette, die die Besitzerin für den Transport in ein dünnes Leinentuch einwickelte.

Er war schon in Sichtweite von seinem zu Hause, als einer der weissen Aufseher mit einem grossen Hund ihn anhielten und kontrollierten. Der Hund signalisierte, dass sich etwas im Hosensack des Jungen befand. Es dauerte nicht lange und die Perlenkette lag zur nächtlicher Stunde auf dem Tisch des Plantagenbesitzers. Vor ihm stand der Aufseher und der Junge, der nun zur Rede gestellt wurde.

Alle Androhungen drakonischer Strafen nützten nichts. Der Junge konnte einfach nicht dazu gebracht werden, auszusprechen und zu erklären, wie er in den Besitz dieser Kette kam. Am kommenden Morgen wurde die Mutter in das Herrenhaus gebracht. Sie hatte bereits vernommen, was sich am Abend zuvor zugetragen hatte. Sie verbrachte eine Nacht in grösster Sorgen. Auch sie musste dem Herren Rede und Antwort stehen aber auch von ihr erhielt der Plantagenbesitzer keine Informationen. Sie konnte nicht erklären, wie ihr Sohn in den Besitz einer solchen Kostbarkeit kam. Eines jedoch wusste sie, ihr Junge würde nie etwas stehlen. Lieber würden sie hungern als von irgendjemandem etwas nehmen, das nicht rechtens war. So etwas würde ihr Junge nie machen – das wusste sie ganz genau.

Aufgrund der für ihn offensichtlichen Fakten schlussfolgerte der Besitzer, dass die Mutter diese Tat lange im Voraus geplant und den Jungen zu dieser Tat angestiftet haben muss. Der Bub hat sich das Vertrauen der Herrin erschlichen, um so Zugang zum familiären Schmuck zu erhalten. Der Diebstahl wog schwer aber noch viel schwerer wog der Missbrauch des Vertrauens.

Das Urteil und die Ausführung erfolgten noch am Gleichen Tag – es sollte eine Warnung für alle auf der Plantage lebenden Sklaven sein: 30  Peitschenhiebe für den Jungen und 60 für die Mutter.

Jeden Tag seines restlichen Lebens erinnerten ihn die Narben auf seinem Rücken an diesen Vorfall und die Bestrafung aber noch viel mehr an seine Mutter, denn sie überlebte die Peitschenhiebe nicht. Sie verstarb innerhalb von wenigen Stunden nach der Bestrafung – immer noch an den Pfahl gebunden.

In Erinnerung an Joshua Elia, in Gefangenschaft geboren, mit 27 Jahren als Sklave verstorben und in Erinnerung an Elisabeth (Elisa), 1746 in Gefangenschaft verstorben auf einer Erdnussplantage in Virginia, Amerika.

Sibylle Emilie Windisch, Januar 2026

PS – Was hat der Hautauschlag mit meinen vorhergehenden Leben zu tun? Warum hatte ich, als ich zur Welt kam, die Nabelschnur 2x um meinen Hals gewickelt? Wer ist dieser Junge? Die Auflösung dieser Geschichte ist in meinem 2. Buch zu lesen, das noch in Bearbeitung ist.